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»Diese
Saga ist eine der größten Sagas,
die in deutscher Sprache verfasst wurden... [...aus aktuellem Anlass zu der jüngst zum Erbarmen zusammengeschusterten Verfilmung: Liebe Leute von SAT1, Tandemcom Producer, kunterbunte Quellstoffmixer*:] [*Selbst die von den Filmmachern angeführten nordischen Adaptionselemente aus der Völsungensage sind nicht einmal glaubhaft zu vertreten – so berichten die unverfälschten Quellstränge dieser Überlieferung ja u.a. unmissverständlich von einer Drachenmaskerade des Bruders von Sigfrids Ziehvater...(s. weiter unten)!] Hier kann man nun hören die Erzählungen deutscher Männer, wie diese Begebenheiten vor sich gegangen sind, und zwar von etlichen, die in Soest geboren sind, wo diese Ereignisse sich zugetragen haben, und die manchen Tag die Stätten noch unzerstört gesehen haben, wo diese Begebnisse sich ereigneten: wo Hagen fiel oder Irung erschlagen ward, oder den Schlangenturm, in dem König Gunter den Tod fand, und den Garten, der noch Niflungengarten genannt wird. Und es steht alles noch auf dieselbe Weise, wie es damals war, als die Niflungen erschlagen wurden; auch die Tore: das östliche Tor, wo zuerst der Kampf sich erhob, und das westliche Tor, das Hagens Tor genannt wird, das die Niflungen in den Garten brachen; das wird noch alles auf dieselbe Weise benannt, wie es damals geschah. Auch solche Männer haben uns davon gesagt, die in Bremen und Münsterburg geboren sind. Keiner wusste mit Gewissheit vom Andern, doch sagten Alle auf dieselbe Weise davon. Auch entspricht das meist dem, was alte Lieder in deutscher Zunge sagen, welche weise Männer gedichtet haben über die großen Begebenheiten, die sich in diesem Lande zutrugen.« |
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Thidrekssaga, Membranenstrang A. Die
Sage (Zusammenfassung)
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| Über dieses wohl bekannteste abendländische Heldenepos
berichtet seit mehr als einem Jahrtausend eine nicht geringe Zahl von Kodizes.
Heerscharen von anerkannten und selbsternannten Nibelungenexperten haben
sich fast ebenso lange um den Kern der Wahrheit jener Erzählungen
bemüht. Sie mussten jedoch bald feststellen, dass sie mit der nicht
einfachen Entwirrung von ’Dichtung über Dichtung’ zu tun hatten.
Gleichwohl haben zwei Forscher mit ihren herausragenden Forschungsresultaten zur Entflechtung der Sage beigetragen: Studienprofessor Aloys Schröfl hat zu Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts mit seinem Buch Und dennoch – die Nibelungenfrage gelöst schlüssig dargelegt, dass Teil I der klassischen Fassung (Sigfrids Leben und Tod) und Teil II (Der Nibelungen Not, also Grimhilds Rache und Untergang der Nibelungen im "Hunnenland") vom Urwerk her nicht ohne Weiteres zueinander passen können: Vielmehr basiert nach Schröfls schlagenden Indizienbeweisen insbesondere der zweite Teil des Liedes auf ein vom Passauer Bischof Piligrim von Aribon initiiertes Dichtwerk für den ungarischen Hof. Es sollte – sozusagen als blattstarker politischer Flyer nach gegenwärtigem Verständnis – im Gesamtwerk einzig dazu dienen, die Christianisierung und damit seinen Machtzuwachs auf jenes südosteuropäische Gebiet auszudehnen! Der erste Teil des Nibelungenliedes war aber grundsätzlich nicht Schröfls Forschungsthema. Der 1994 verstorbene Germanist und Naturwissenschaftler Heinz Ritter aus Schaumburg an der Weser ist mit seinen beeindruckenden Veröffentlichungen und Vorträgen wohl in den Sagenkern gedrungen. Nach jahrzehntelangem Studium und sorgfältigen Analysen von unterschiedlichem Urschriftmaterial gelangte er zu verschiedenen nordischen Schriftfassungen der sogenannten Didrikschronik oder Thidrekssaga, die jedoch nicht von Theoderich d. Großen von Ravenna handelt, sondern biografische Schilderungen über jenen gleichnamigen rheinfränkischen König aus der Völkerwanderungszeit abliefert. Zu diesen Kodizes zählen zum einen die in der Königlichen Bibliothek zu Stockholm aufbewahrte Membrane und zum anderen die sogenannte Svava (Wörtschöpfung Ritter-Schaumburg). Diese Altschwedische Überlieferung oder Didrik-Chronik berichtet – wie auch die etwas umwundener erzählende Membrane oder 'Thidrekssaga' – in ihren noch erhaltenen Abschriften auffallend sachlicher und weniger ausschmückend im Vergleich zu allen anderen Überlieferungen aus dem (Hoch-)Mittelalter. Ihre verschollene Urfassung soll, wie Ritter- Schaumburg auch in seinem 1992 erschienenen Buch Sigfrid ohne Tarnkappe argumentiert, bereits vor oder in der Zeit Karl d. Großen, der in seinen Großvorhaben auch Lieder und Sagen aufschreiben ließ, vorgelegen haben. Die sogenannten historischen Nibelungen werden diesen Chroniken zugeordnet. Die vorzitierte Buchveröffentlichung (welche jedoch nicht Grimhilds
Rache und den Nibelungenuntergang behandelt) besticht besonders durch die
topografischen Zuordnungen der Ereignisse über Sigfrids Leben und
Sterben.
Die Nibelungen Herkunft Diese bringt der Philologe Henri Grègoire mit dem belgischen Ort Nivelle (Burg und Stadt) in Verbindung, denn in dortigen Chroniken taucht z.B. Nivellung in der Beinamengebung an die Pippiniden auf, so wie man auch auf jenen Nibelunc in der Namensgebung für einen Pippiniden des 8. Jahrhunderts trifft, den Karl der Große nicht ohne Stolz seinen Oheim genannt haben soll. Grègoire bestätigt grundsätzlich die historiografischen Entdeckungen über den Nibelungenursprung von Emil Rückert aus dem Jahr 1836. (Titel seiner Veröffentlichung: Oberon von Mons und die Pipine von Nivella – Untersuchungen über den Ursprung der Nibelungensage.) Ritter-Schaumburg hat den Nibelungensitz von König Gunters Familie ca. 120 km weiter östlich erkannt, und zwar bei der Stadt Zülpich. In ihrem Umland gibt es eine hervorstechende Zahl von Orten, deren Namen anhand der Originaltextaussagen jener nordischen Überlieferungen nachdenklich stimmen müssen. So beispielsweise Juntersdorf, das frühere Guntirsdorp. Der Vater von Gunters Halbbruder Hagen wird urschriftlich als 'Elff' oder 'Albe' bezeichnet – hierbei drängt sich das nur wenige Kilometer entfernte Elvenich auf, das früher als Albinacum und Albihenae bezeugt wurde. Der Autor H. van der Broeck rechnet in seiner Veröffentlichung 2000 Jahre Zülpich (Kölnische Verlagsdruckerei 1968) diesen Ort einer keltischen Kultstätte zu, zumal die für diese Region typischen (n)ich- Endungen auf römisch-keltischen Spracheinfluss hinweisen. Und schließlich findet man hier auch die Orte Virnich (jetzt zu Schwerfen) und Virmenich, jetzt Firmenich, die an Quelltextbezeichnungen wie Vernica, Verniza, Verminza für den Nibelungensitz erinnern, wobei die spätere Wandlung von "z" oder "c" auf "ch" hinsichtlich strenger orthografischer Maßstäbe hier auch für andere Ortsnamen nachgewiesen werden kann. Es gibt noch einen anderen signifikanten Beleg, der den Zülpicher Raum als Herkunftsregion der historischen Nibelungen untermauert; nämlich der quelltextliche Hinweis, dass gerade hellster Vollmond ist, als das Volk den Rhein auf seinem schicksalhaften Zug nach Grimhild und dem Sachsenkönig Attala erreicht hat. Weil in der Spätantike wie auch noch im Mittelalter der Beginn wichtiger Unternehmungen üblicherweise auf Vollmond gelegt wurde, konnten die von der kritischen Sagenforschung spezifizierten Nibelungen 'mit blanken Brünnen unter ihren Röcken' also nicht mehr als eine solche Distanz bis zum Rheinfährenort zurückgelegt haben! Die nach Ritter-Schaumburgs Zeit- und Ortsstellung zu den fränkischen Völkern zählenden Nibelungen treten um die Wende des ersten halben Jahrtausendes auf, wo beispielsweise Gregor von Tours "Sigibert den Lahmen" als Ripuarierkönig zu Köln erwähnt und wie dieser schließlich vom Frankenkönig Chlodwig beseitigt wird. Zur Erforschung der Frühgeschichte der Pippiniden wären auch
nach Reinhard Schmoeckels Veröffentlichung
Deutsche Sagenhelden
und die historische Wirklichkeit weitere interessante Indizien aus
der Dietrich-Chronik zu berücksichtigten:
Die Svava zitiert den Aufbruch der Nibelungen zu ihrem letzten Ausmarsch so: ...So ritten sie zum Rhein, wo Duna und Rhein zusammen kommen... Unter Duna soll nun keineswegs die Donau verstanden werden (die ohnehin nicht in den Rhein fließt) sondern die Dhünn, die bis 1830/1840 als Dune bei Leverkusen in den Rhein mündete und auch als Duone 1117 urkundlich genannt wird. Ihr heute weiter stromabwärts zu findender Mündungsbereich wurde vom Buchautor als seinerzeit strategisch wichtiger Übergangspunkt belegt. Reinhard Schmoeckel unterzieht in seiner oben zitierten Veröffentlichung Ritter-Schaumburgs Erkenntnisse einer sorgfältigen Historizitätsbetrachtung. Sein Fazit: Die Sagenberichte von Dietrich von Bern und den Nibelungen widersprechen nicht nur keineswegs den historischen Fakten, sondern ergänzen sie zu einem plausiblen, aber bis jetzt nicht bewussten frühmittelalterlichen Geschichtsbild von Mitteleuropa und Skandinavien! Die zu revidierende altgeschichtliche Betrachtung der Nibelungen teilen
im Großen und Ganzen auch der Schriftsteller und Dokumentarfilmer
Walter Böckmann mit Der Nibelungen Tod in Soest – Neue Erkenntnisse
zur historischen Wahrheit sowie der Historiker Ernst F. Jung mit seiner
analytischen Nachbetrachtung wie auch Beisteuerung weiterer wichtiger Erkenntnisse
in
Der Nibelungen Zug durchs Bergische Land. Bereits 1961 fand die
Literaturwissenschaftlerin Prof. Roswitha Wisniewski ernstzunehmende Anhaltspunkte,
dass in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine umfassende Sammlung
von Erzählungen über den rheinfränkischen König Dietrich
von Bern vom Wedinghausener Kloster bei Arnsberg in Westfalen nach Skandinavien
gebracht und dort von diesen Kopien in Form der Thidrik Kodizes hergestellt
wurden, wie die Autorin in ihrer Veröffentlichung Die Darstellung
des Niflungenuntergangs in der Thidreksage darlegt.
Die Svava über Sigfrid und die Nibelungen Unter "Svava" ist, wie aus zeitgenössischen Chroniken und kartografischen Überlieferungen hervorgeht, das den nordöstlichen Harz mit einschließende Gebiet zu verstehen. Für die in der folgenden Synopsis angegebenen Fußnoten muss das Lesen dieser kurz gehaltenen Zusammenfassung vom Quelltext nicht unbedingt unterbrochen werden. Die Fußnoten werden im Abschnitt Fragen und Erkenntnisse besprochen.
1 Sigfrid Auf älteren Karten vom Nordharz findet man noch die Wüstung
Siewershausen
(siehe
X- Markierung auf der oben angegebenen Karte), die laut alten Archivkarten
ursprünglich Sigefrideshuson hieß – der Geburts-, Fund-
oder Gedenkort von Sigfrid? Mit Sicherheit hätte sich Kunde vom Hof
König Sigmunds über den vermissten Königssohn rasch verbreiten
müssen. Wählte daher Sigfrids abgefeimter Pflegevater, der Schmied
Mime, zum Gedenken an den wahren Vater einen ähnlich klingenden Namen
für sein Findelkind?
Sigfrids Körpergröße Mime hat gerade eine königliche Rüstung fertig geschmiedet,
legt diese Sigfrid an – und sie passt! Immerhin steht ihm diese so gut,
dass er sie für seinen Marsch zu Brunhilds Burg gleich anbehält,
wo er – bei unterstelltem Knabenalter – wohl kaum sieben Torwächter
erschlagen und sich noch mit Rittern und Knappen der Königin anlegen
konnte!
2 Mime Mime war nicht irgendein Schmied, der es nötig hatte, gewöhnliche Arbeiten für die Dorfbevölkerung oder seinen Lehnsherrn zu verrichten. Vielmehr ersuchten Könige aus fernen Ländern ihn um Sonderanfertigungen allerfeinster Blechkleider – den Genius des Hartmetalls, Meister aller Haute Couturiers der männlichen Spätantike und Völkerwanderungszeit! Dabei hatte es Mime nicht einmal nötig, selbst Hand an seine superben Kreationen zu legen – so war Mimung, das seinerzeit mit Abstand beste Schwert, von seinem ehemaligen Gesellen Weland geschmiedet worden! Der kinderlose Mime schirmt seinen Adoptivsohn offenbar gut ab, auch lässt er ihn zunächst nicht unter seinen Schmieden mitarbeiten. Nichtsdestoweniger scheint der jugendliche Sigfrid Mimes hinterfragwürdige Zuneigung wohl mit frustriertem Herumlungern danken, steckt dabei gelegentlich seine Nase in die Schmiedewerkstatt seines Pflegevaters, um dort seine Gesellen mächtig zu enervieren und zu verprügeln. Erst als der stark Pubertierende kaum mehr zu bändigen ist, will ihm Mime das Arbeiten in seiner Schmiede lehren! Nach frühen urkundlichen Bezeugungen ist der nur wenige Kilometer
von Siewershausen entfernte Ort Minsleben nicht nur eine der ältesten
Siedlungen dieser Region, sondern auch eng mit frühzeitlicher Schmiedetätigkeit
verbunden. Buchautor Ritter-Schaumburg war Zeuge von Ausgrabungen und Analysen
von früh datierbaren Eisenschlackeresten zu Minsleben. Zur Namensgebung
des Ortes sind sowohl die später hinzugefügte thüringische
Endung -leva,
-leven anzumerken als auch der urschriftliche
Name von Mime, Mymmer oder
Mynner.
3 Regen, das Ungeheuer Nur etwa elf Kilometer südöstlich von Minsleben erhebt sich
der Regenstein als kleines Waldgebirge am nördlichen Fuß
vom Harz, dessen Sandsteinfelsen sich steil in die Höhe erheben.
Besonders beeindruckend sind die an seinem Fuß befindlichen Höhlen
im sogenannten Feuerland, bei denen man auch alte Kultstätten
(Thing-Ritual) vermutet.
Nur wenige Kilometer von diesem Nordharzer Sandsteingebirge entfernt
befindet sich das überwiegend von Teichgewässern geprägte
sumpfige Goldbachtal. Parzellen in diesem Gebiet werden in alten Flurkarten
als
Drachenkopf und Drachenloch bezeichnet. Noch heute werden
diese Bezeichnungen von Forstaufsehern für das nunmehr in privater
Hand befindliche Areal verwendet.
War Regen ein später solitärer Protozoon oder eher der Graf von Regenstein? Für die erstgenannte Möglichkeit war und ist für das in Frage kommende Gebiet ein idealer Lebensraum vorhanden. Zwar sprechen die nordischen Überlieferungen von einem Regen als Bruder von Mime, doch könnte es sich hierbei ebenso gut nur um eine geistige Bruderschaft handeln: Mime besaß sicher, wie Sigfrid zu spüren bekam, jene Verschlagenheit und Hinterlist eines Reptils. Nun hätte aber auch jener weiter unten zitierte residenzlose Emporkömmling
Hartebold, der als erster und wohl (noch) nicht vermögender 'Graf
von Regenstein' das Areal um den großen Bergfels seit kurzer Zeit
in seinem Besitz hatte, sich zum einfachen wie besonderen Schutz desselben
dem wahrlich Furcht einflößenden Umfeld rings um seine Burg
bedienen und – zu seiner wichtigsten Vervollständigung – für
alle ungebetenen Gäste "einen Drachen bauen" können. Für
eine solche sicher auch zum Ausrauben geeignete Maskerade sprechen vielmehr
einige indirekte Anspielungen (vgl. wörtliche Zitate Sv 158), denn
in den Urschriften ist auch vom Goldschatz die Rede (Sv 304), den der kecke
Sigfrid dem "Drachen" abgenommen haben soll. Die Völsungasaga hat
den Sachverhalt über den geheimnisvollen "Drachen" übrigens klar
erkannt und zitiert mit ihrem Kapitel 18 diese vom ihm stammende Aussage:
Mit seiner Fabel vom Drachentöter, durch Blutsud-Anwendung auch zum unverwundbaren Supermann glaubhaft gemacht, hätte Sigfrid wohl in höchst beeindruckender Weise seinem Erklärungsnotstand über seine auffällig dicke Hornhaut, verschiedentlich als Ichthyosis Krankheit zitiert, ein Ende bereiten können! Ein als Drache verkleideter Räuber, wie manche Autoren vermuten, hätte wohl kaum seinen Schlupfwinkel am Fuß oder irgendwo in der Nähe einer feudalherrschaftlichen Burg gesucht; und der mit seiner HighTec-Schmiede ein enormes Vermögen anhäufende misstrauische Mime hätte seine Schätze wohl kaum weder einem räuberischen Verwandten noch einem Fremden anvertraut, um sie neugierigen Blicken und allen Versuchungsgedanken seines fragwürdigen Personals weit genug zu entziehen. Wohl aber allenfalls seinem Bruder, den man, wie auch Mime, zur damaligen "VIP Class" der dortigen Region zählen durfte: Regen – Graf von Regenstein. Tatsächlich geht hierzu die Völsungasaga näher auf die
Motive von Mime (hier heißt er jedoch Regin) und dessen Bruder
('Fafnir') ein. So erklärt sich dieser gegenüber Sigfrid,
der ihn zuvor tödlich verwundet hat:
Die erste urkundliche Erwähnung von "Regenstein" begründet diese
Erzählung:
Interessant ist übrigens auch die Definitionsparallelität
zu jenem rheinischen Siebengebirge: auch seine Namensgebung beruht auf
sieben
= regnen/Regen, nordisch: Fafnir ('Fafner').
4 Drachensud Die Svava relativiert selbst jene schier unglaubliche Unverwundbarkeit von Sigfrids Haut durch Schilderung seiner Verwundungen im Turnierkampf gegen König Dietrich, die ihn – trotz angelegter Rüstung – zur Aufgabe zwingen! Wie von Historikern überliefert wurde, soll das fränkische Herrschergeschlecht der Merowinger mit der sogenannten "Ichthyosis Hystrix" erblich vorbelastet gewesen sein. Die Erscheinungsformen dieser Hauterkrankung reichen bis zu einer Hautschwatenbildung wie bei Hausschweinen. Unter dem Eintrag 'Drache' findet man im Großen Duden Lexikon,
Ausgabe 1969, folgendes:
Der Drache verkörpert also Schlechtes – ohne notwendigerweise leibhaftig
auftreten zu müssen!
5 Brünhilds Burg Weil sich Sigfrid in schwerer Montur (Rüstung) aber ohne Pferd direkt von Mimes Schmiede zu Brünhilds Burg Seegard begibt, muss sich diese in noch zu Fuß erreichbarer Umgebung befinden. Die Wahl beschränkt sich also auf Heimburg oder Ilsenstein, letztere auf einem Berg nahe am Brocken mit herrlicher Aussichtslage – das Nibelungenlied nennt übrigens Burg Isenstein als Brünhilds Sitz. In jenen nordischen Überlieferungen wird diese 'am Nordgebirge’ beschrieben, sowie nahe bei einem Brünhild gehörenden Gestüt ’in einem Wald ganz nah dabei’, dessen Pferde wegen ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften viel gerühmt wurden. Königin Brünhild war zu jener Zeit Vollwaise. Ihr Oheim oder vielmehr Schwager war nach der Völsungasaga Heimir der Pferdezüchter ('Studder'; vgl. Heim in Sv 14). Die quelltextliche Lage seiner Heimburg, die später unter anderem mit Heinrich IV. und Heinrich dem Löwen geschichtlich verbunden werden sollte, kann durch einen einige Kilometer nördlich von ihr gelegenen großen unterirdischen See bestätigt werden, wie dem Verfasser dieses Beitrags von den Besitzern der sog. Drachenloch Parzelle über dort angestellte geophysikalische Untersuchungen mitgeteilt worden war. Gleichwohl dürfte – im Gegensatz zu Ritter-Schaumburgs Überzeugung
– die wegen ihrer bemerkenswerten Stärke bekannte Königin wohl
kaum Grund gehabt haben, I(l)senstein nach dem Tod
ihrer Eltern aufzugeben und sich in die Hände ihres auf der tiefer
gelegenen Heimburg sitzenden übellaunigen Verwandten zu begeben (Sv 14;
vgl. a. Walter Böckmann). Zweifelsohne zählt diese fürstliche
Burg zu den Besitztümern der Königin, doch die weitaus repräsentativere
Lage, nicht zuletzt über einen ca. 1,8 km langen Burgaufgang, besitzt
jener "Isenstein" mit seinen noch erhaltenen Burgfelsen!
Die traditionsreiche aber dennoch 'eigenartige Pferdezucht ... in
Hainen und oder lichten Wäldern', so Tacitus in seiner Germania
(Kap. 27) belegt auch das Pferdekapitell der Krypta in der Klosterkirche
Drübeck, die in jenem nur etwa 3,5 km vom Ilsenstein gelegenen Nachbarort
gegründet worden war. Von diesem ist die Heimburg übrigens viermal
weiter entfernt.
6 Didrik: Dietrich von Bern Nach Ritter-Schaumburg wird Didrik um 470 geboren und im Alter von ca. 20 Jahren als König von 'Bern' (Bonn am Rhein) ausgerufen. Als Mitzwanziger geht er mit seinen treuen Kampfgefährten zu König Attala ins Exil. Dennoch verlässt er den Soester Hof für die Eroberung von Rom. (Als Roma secunda war bereits vor dieser Zeit Trier an der Mosel überliefert worden.) Dieser strategisch wichtiger Ort gehörte seinem Widersacher und Blutsverwandten 'Ermenrik' und dessen Berater 'Sevekin'. Bei der Gränsport-Schlacht an der Moselmündung verzichtet Didrik wegen erlittener hoher persönlicher Verluste – hier sterben ein Blutsverwandter und zwei Söhne von Attala als seine guten Freunde – freiwillig auf den Thron und kehrt nach Westfalen zurück. Er verlässt später endgültig die Burgstadt Soest, zieht zunächst nach Bonn und trifft mit seinem hier neu formierten Heer dann bei Graach an der Mosel auf die Truppen von 'Sevekin', die er leicht schlagen kann. Die nordischen Chronisten berichten, dass er ins sogenannte 'Rom' einzog, sein zweiter Krönungs- und Residenzort. Didrik stirbt um das Jahr 535. Ritter-Schaumburg geht im Einklang mit der bereits seit Raszmann bekannten
Deutung davon aus, dass der König Dietrich beigefügte Ortsname
auf die lateinische Ableitung Verona- Berona-Bern
beruht (Dietrich von Bern - König zu Bonn, 1982). Wie allerdings
mehrfache archäologische Ausgrabungen an einem anderen linksrheinisch
bzw. in der Voreifel gelegenen Ort von hoher kultureller wie auch terminologisch-linguistischer
Bedeutung für Dietrichs Herkunft gezeigt haben, müssen zu Bern
= Bonn als mutmaßliche Residenz von Dietrich begründbare Zweifel
angemeldet werden.
7 Hagen Hagens Vater, ein Kelte wie auch der Vater der Königin, kann den Garten der sicher bestens bewachten Königsburg für ein Schäferstündchen unbehelligt aufsuchen! Er dürfte also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Hof bekannt sein und dort ein und aus gehen – ein nahestehender und hochrangiger Verwandter der Königin? Wäre dies (der sicher nahe liegende) Fall, dann würde Hagen, der wohl den (vor)väterlichen Herkunftsort als Namenszusatz führt, mit allen seinen laut den Urschriften abnormal beschriebenen Merkmalen aus einer Inzestverbindung hervorgegangen sein. Das selbstsichere und vor allem verheißungsvolle Auftreten von
Hagens Vater gebührt sicher dem eines Druiden (Sv 161).
8 König Isungs Land ...Sie ritten durch große Wälder und Heiden... Die urtextliche Beschreibung des Landes von König Isung trifft mit bemerkenswerter Genauigkeit auf die Lüneburger Heide zu: Das königliche Schloss vermutet Ritter-Schaumburg auf dem Kalkberg in Lüneburg.
Übrigens sagt Sigfrid zu seinem König (Sv 185) – ohne dass
eine entsprechende Vergleichsmöglichkeit eröffnet worden war
– dass auf dem Schild eines Ankömmlings „auch ein Löwe
von Gold mit Krone steht.“ König Isung führt also ein identisches
Wappen, wie es bis in die Gegenwart von solchen Dynastien verwendet wird,
die jenes Gebiet zwischen Braunschweig und Lüneburg beherrschten!
9 Sigfrid und Grimhild Über irgendeine gegenseitige Zuneigung für eine Liebesheirat
wird nicht berichtet! Grimhild wird urtextlich oft Crimilla genannt,
sonst bekanntlich: Krimhild, Kriemhild, Krimhilde, Kriemhilde...
10 Schlangenturm Die Existenz eines Soester Turmes mit diesem Namen ist historisch belegbar.
11 Sigfrids Nibelungenschatz Setzte man tatsächlich seine Existenz voraus, dann müssten
zu ihrer Entdeckung mindestens die folgenden Voraussetzungen erfüllt
sein:
In der schlauchförmigen Kammer dieses sogenannten Hohlen Steins lag ein unbestatteter Toter in einer ungestörten Schicht; aber so, dass eine Bestattung an dieser Stelle ausgeschlossen war. Sein Alter wurde auf etwa 50 Jahre datiert. Die bei seinem Skelett gefundenen Schmuckstücke (Runenfibel, Armreif, Fingerring, Knöpfe) ließen nach den seinerzeit von Prof. Stieren und Dr. Julius Andree geleiteten Ausgrabungen sowohl auf die vornehme Herkunft des Toten als auch auf die geforderte Epoche schließen. Bei einer erneuten Grabung im Jahr 1933 kamen am Westeingang der Höhle noch die Reste einer Falschmünzerwerkstatt aus dem 30-jährigen Krieg zum Vorschein. Der Fingerring des Toten zählt übrigens zum Bestand des Landesmuseums Münster, die restlichen Stücke zu den Museen in Lippstadt und Olpe. Ritter-Schaumburg vermerkt in seinen Ausführungen unter Berufung auf ein Gespräch mit Dr. Andree, Prof. Stieren „habe (zur Kallenhardter Entdeckung) mit Vielem zurückgehalten“. Wohl deswegen sah einer der bei der Ausgrabung Anwesenden – der heimische
Ortshistoriker und spätere Schuldirektor Eberhard Henneböle –
genügend Veranlassung, noch gesondert über diesen Fund zu berichten
('Die Vor- und Frühgeschichte des Warsteiner Raumes' in: 'Beiträge
zur Warsteiner Geschichte', Heft 2, 1963). Für ihn steht zweifelsfrei
fest, dass hier der über die Niflungen siegreiche Soester König
Attala seinen Tod gefunden hat.
12 Grabmale Wenn man der fernen Nachwelt mit seinerzeit zur Verfügung gestandenen Mitteln eine beständige Botschaft über die in Soest zugetragenen Geschehnisse hätte zukommen lassen wollen, so bestünde hierzu leider die Wahl der äußerst begrenzten Möglichkeiten. Damals wie auch in anderen Epochen war es jedoch – glücklicherweise – üblich, hervorstechende Persönlichkeitsmerkmale durch entsprechende Grabbeigaben auszudrücken. Wie hätte man in diesem Sinne für die Soester Königsfamilie verfahren können? Minimalvoraussetzungen:
Bei der jüngsten Goldmünze aus diesen Gräberfunden handelte
es sich um eine Prägung aus der Zeit des oströmischen Kaisers
Justinian I., der von 527 bis 565 herrschte. Insoweit ist auch die erweiterte
Voraussetzung erfüllt.
Fazit Im Vergleich zur mittelhochdeutschen Nibelungendichtung lesen sich die nordischen Kodizes über Dietrich von Bern etwa so nüchtern wie ein Polizeibericht, und auch mit diesem Vergleich geht die kritische neue Sagenforschung davon aus, dass aus einer trockenen Schilderung gewiss eher eine weiter ausgeschmückte und mehr phantasievollere Fassung entstehen kann als umgekehrt. Auseinandersetzungen um Interpretationen der Nibelungensage haben ihre Forscher durchaus mit harten Bandagen geführt: Aloys Schröfl veröffentlichte im ’Selbstverlag’ bis ihm letztlich seine Kritiker Respekt zollten. Zum Niedermachen der Forschungsergebnisse von Ritter-Schaumburg war von der Uni Siegen eine recht deftige Schmähschrift in Umlauf gebracht worden, deren Verfasser nicht nur Studenten waren ("Dieser Ritter bürgt für Schaum")! Der überwiegend positiven Aufnahme jener von Ritter-Schaumburg
ausgebreiteten realhistorischen Zusammenhänge taten solche Einzelunternehmen,
darunter auch eine TV-Diskussion, allerdings kaum Abbruch (vgl. Pressestimmen).
Anhang Quelltext aus der Svava
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