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Real und Abstrakt - Abstraktes Denken - Reales Sein


Abstraktes Denken Wir Menschen sind stolz darauf, das ´vernunft-begabteste´ Tier zu sein. Tatsächlich verarbeiten wir per Vernunft unsere Sinneseindrücke, planen zukünftige Handlungen, beurteilen kritisch das Ergebnis, wägen ab und entscheiden erneut. Tatsächlich ist tagsüber unser Verstand hellwach, führt pausenlos Selbstgespräche, denkt fortwährend (wenngleich meist im Kreis herum). Tatsächlich wurden wir damit zu einer der erfolgreichsten Gattungen, zumindest im Bemühen, uns ´die Welt untertan´ zu machen (wenngleich mit Nebenwirkungen). Unsere besondere Fähigkeit besteht darin, von diversen Vorkommnissen oder Erscheinungen gemeinsame Merkmale erkennen und dafür abstrakte Sammelbegriffe einführen zu können. Das ist nützlich im Alltag wie für die Beschreibung von physikalischen Gegebenheiten wie bei philosophischer Betrachtung. Beispielsweise: Lebensmittel sind billiger auf dem Land. Obst ist wichtig für die Gesundheit. Masse weist die Eigenschaft von Trägheit und Schwere auf. Gravitation ist die zwischen Körpern wirksame Anziehungskraft. Menschen verspüren Zuneigung oder Abneigung zueinander. Egoismus ist der Gegensatz von Nächstenliebe. Erst durch die Verwendung abstrakter Begriffe können wir uns vom konkreten Einzelfall lösen und zu generellen Aussagen bzw. pauschal gültigen Urteilen kommen. Das erleichtert notwendige Entscheidungen im alltäglichen Leben, ermöglicht die Erkenntnis genereller Gesetzmässigkeiten, ist praktisch Voraussetzung jeglicher Kommunikation (so wie obige Beispielsätze ausschliesslich abstrakte Begriffe verwenden). Dieses Abstraktionsvermögen ist also ausserordentlich vorteilhaft. Allerdings gibt es Auswüchse, beispielsweise: den Juristen, der nur noch innerhalb seiner (weltfremden) Terminologie zu denken vermag, den Wissenschaftler, der sich gedanklich nur mehr in ´Worthülsen´ bewegt, den ´Schöngeist´, der immer in ´höheren Sphären´ schwebt. Seltsamer weise bedienen sich Philosophen abstrakter Begriffe, deren Wesen sie aber nur durch Beispiele aus Alltäglichem bzw. Materiellem verdeutlichen können - oder versuchen Sie doch bitte, z.B. Egoismus bzw. Liebe rein abstrakt zu erklären (aber bei Definition per anderer abstrakter Begriffe diese wiederum ohne Bezug auf simple Realität zu definieren). Umgekehrt beschreiben Naturwissenschaftler keinesfalls die Realität nur anhand Begriffen (Namen) realer Erscheinungen, sondern arbeiten mit rein gedanklichen Begriffen - oder definieren Sie doch bitte z.B. Anziehungskraft bzw. Elektrisches Feld (ausschliesslich aufgrund gesicherter Erkenntnis der zugrunde liegenden Realität - wobei Formeln diese Erscheinungen rechenbar machen, aber keine Erklärung ergeben). All diese abstrakten Begriffe sind existent als (mehr oder weniger) allgemeingültige Vereinbarung. Aber eben nur auf geistiger (Verstandes-) Ebene. Diese Begriffe besitzen keine reale, also materielle Existenz. Und es ist bemerkenswert, dass gerade in den Naturwissenschaften mit diesen abstrakten (nicht-realen) Begriffen praktisch ausschliesslich gearbeitet wird - bis hin zur absoluten Abstraktion in Form nur noch mathematisch relevanter Formeln (z.B. inklusive ´imaginärer´ Faktoren).



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